Vielen Dank, dass ich es geschafft habe

Gaby Kratzer, 18.04.2018

Ist das nicht nett? Nächstes Jahr werde ich 50.

Ich kriege Tränen in den Augen.

Ein halbes Jahrhundert. Wo sind bloss die Jahre hin?

Die Hülle bereits arg in Mitleidenschaft gezogen und im Kopf noch ein Spring ins Feld, wie früher. Darum kleiden sich wohl auch einige ältere Damen, wie wenn sie erst gerade die Pubertät hinter sich hätten.

Wie war es damals mit 10? Da machte man sich gar keine Gedanken übers älter werden. Da lebte man einfach und dümpelte so vor sich hin. Schule, Aufgaben, spielen. Wow, und dass ohne Handy, Tablet oder irgendwelche soziale Medien. Unsere sozialen Medien waren die Pfadfinder, Blauring, Jungwacht, „Tschuticlub“ oder einfach draussen in der Wildnis. Gut, so wild war es draussen schon nicht gerade aber es war schön – einfach schön.

Und mit 20? Da meinten bereits wir, dass wir alles können und vieles gesehen haben. Da stehen uns die Jungen heute in nichts nach. Und doch hatten wir noch viel zu lernen. Und wir lernen lange, ganz lange. Wir lernen, bis wir gehen.

Dann kam die 30. Kolleginnen von mir hatten echt Mühe. Sie kriegten schon fast die Krise. Ich nicht. Mir war es egal. Soll doch diese 30 kommen. Es ändert ja nichts an mir.

Schnell kam auch die 40 und da startete ich durch. Ich begann wirklich zu leben. Ich machte all diese Weiterbildungen die mich persönlich so viel weiterbrachten. Jetzt…. Am Ende dieser 4 ist es einfach genial und echt und wirklich und einfach soooo schön.

Muss ich denn jetzt weinen? Nein, natürlich nicht. Meine Tränen in den Augen sind Freudentränen und Tränen vor lauter Lachen. Ein Lachen, weil es schön ist und ich freue mich auf die 50. Ehrlich, dabei habe ich nicht damit gerechnet, dass ich dieses Alter erreichen werde.

Vielen Dank, dass ich es geschafft habe.

4  Kommentare

  • Petra Lienhard
    28.04.2018 14:21 Uhr

    Liebe Gaby

    Mit Recht kannst du sagen "ich bin stolz, ich habe es geschafft". Was ist schon eine Zahl von Jahren. Sie ist so unbedeutend. Ich freue mich über jedes Jahrzehnt, welches ich noch erreichen darf. Es gibt jetzt erst Recht so viel zu sehen, erkunden, und zu lernen. Das hört wirklich nicht auf bis wir uns verabschieden von dieser wundervollen Welt. Stell dir vor, Gaby im Lehnstuhl, vor sich hinsinieren, denken wie lange dauert es denn nun noch bis ich gehen kann... Griesgrämig, schlecht gelaunt, keine coolen Sprüche mehr auf den Lippen...

    Nein, es wäre ein Jammer. Bleib so wie du bist, ein Prachtexemplar von Mensch. Mit allen Höhen und Tiefen, so wie es sich gehört. Für Klagen und Jammern ist uns doch die Zeit, die uns noch bleibt, einfach zu schade, oder?

    Herzlichst Petra

     

  • Angela Graf-Artuso
    04.05.2018 19:27 Uhr

     

    Liebe Gaby

    Danke. Deine Zeilen haben mich berührt. Dieser Bericht würde wunderbar zu meinem Lebenslauf passen. Das Alter hat mich persönlich bis zum 50. Geburtstag nicht wirklich interessiert. Ich habe mich immer als zeitlose Seele in einem menschlichen Körper gesehen. Doch als ich die Fünfziger Grenze erreicht hatte, da spürte ich tief in mir, dass sich etwas verändert hatte. Gott sei Dank feierte ich meinen 50. Geburtstag mit meinen Lieben. Die Sonne schien, der Saal war festlich geschmückt und alle hatten gute Laune. Plötzlich spürte ich, wie sich eine königliche Kraft in mir ausbreitete und mir das Gefühl von Schönheit und Würde schenkte. Heute, vier Jahre später spüre ich diese Kraft immer noch. Diese Kraft wünsche ich allen Frauen dieser Erde.

    Ja, der Körper wird älter.
    Und nein, du musst nicht weinen. Es gehört zum Fluss des Lebens dazu. Du hast es akzeptiert, so wie ich. Somit bin ich überzeugt, dass du noch viele wunderbare Momente in deinem Leben erfahren, vertiefen und erleben darfst.

    Ich wünsche dir viel Spass dabei.

    Sonnige Grüsse
    Angela

     

  • Gaby Kratzer
    07.05.2018 11:56 Uhr

    Liebe Petra, liebe Angela

    Vielen Dank für Eure lieben Worte. Meine Antwort, gerade für Dich Petra, kommt relativ spät. Da ich meine "arg in Mitleidenschaft gezogene Hülle", wie ich das formuliert hatte und meinen (vermeintlich) jungen Geist für ganze 3 Wochen versucht habe zu regenerieren. Teilweise hat es auch geklappt - also den Geist habe ich etwas hinter dem Ofen hervorholen können. Gestern habe ich bei Äschbacher Anneliese Leu, die 86jährige Pionierin der Hotelerie, gesehen und bewundernd gestaunt, dass man in dem Alter noch so fit, agil und quirlig sein kann. Und das nicht nur, weil sie einen....Achtung....28 Jahre jüngeren Partner hat.

    Ihr sagt so salopp ich solle nicht weinen...tja, schon zu spät. Eure rührenden Worte berühren mein Herz und die Tränendrüsen überlegen sich zu schiessen, wie Pilze aus dem Boden. Ich kann sie aber überzeugen, dass dies grad jetzt auch ein etwas ungünstiger Moment ist, da ich beobachtet werden kann.

    Ich bedanke mich bei Euch von Herzen. Möchte dennoch kurz den Hintergrund preisgeben, warum ich heute froh bin es geschafft zu haben.       Ein paar Tage vor meinem 11. Geburtstag verlor ich meine Mutter mit 29 Jahren. Näheres aus meinem Lebenslauf können wir auslassen. Nun war es so, dass ich mir danach schwor, dass ich nie, niemals älter werden würde als 29. Keine Ahnung, ob ich es als nicht fair empfunden hätte, wenn ich älter werden würde. Grundsätzlich stimmt somit mein obiger Bericht, ist aber dennoch nicht ganz richtig. Denn an meinem 28. und 29. Geburtstag, hatte ich mehr als Panik. Aber eben nicht, wegen des Alters als solches, sondern weil ich Angst hatte zu sterben. Das jemand das 11jährige unwissende Mädchen ernst genommen hatte und dem Leben (wenn es auch gerade etwas langweilig war) ein Ende bereiten könnte. Hallo!!!!!! Ich wollte leben. Und mit 30 und 31 war ich an meinem Geburtstag jeweils einfach traurig. Traurig, dass ich nichts aus meinem Leben mit meiner Mutter teilen konnte (Achtung: Tränendrüse). An den folgenden Geburtstagen hatte ich diese Gefühle nicht mehr, weder die Angst zu sterben noch die Traurigkeit.

    Wenn alles gut läuft, dann kommen sie auch nicht zurück. Deshalb bin ich froh und dankbar, für alles was mir das Leben geschenkt hat….auch für die Jahre auf dem Buckel.

    Herzlichst Eure Gaby

  • Monika Hengartner
    12.05.2018 23:57 Uhr

    Schlicht und tief empfunderner Dank

    an dich, wie mit jedem Wort weiter dich findende und vom Tau(?) erfrischt neu erblühende Gaby

    an dich, deine königliche Kraft ausbreitende und würdevoll schenkende, grosszügige Angela

    an dich, du reife, feinfühlig wahrnehmende, lebensfrohe, mutmachende und ansteckend lachende Petra

    für den leuchtenden Juwel, den ihr aus dem Dunkel eures je eigenen Inneren heraus "geputzt" uns allen hier als strahlende Kraft mit-teilt und anbietet.

    Ich bin berührt und fühle mich sehr reich beschenkt.

    Herzlichen Dank!

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