Sind wir Bettlerinnen oder Königinnen?

Benita Batliner, 17.01.2018

Verstehen wir uns als Opfer oder als Königinnen, die ihre Würde als Krone auf dem Kopf tragen? Es könnte eine Chance sein, uns aus der Pendelbewegung zwischen Opfer- und Täterbewusstesein zu lösen, die wahren weiblichen Werte in uns zu entdecken und zu einem neuen Bewusstsein über unser Frausein zu gelangen. Vielleicht haben die ersten Frauen, die den Mut hatten, ihre Wahrheiten öffentlich auszusprechen, den anderen einen Raum geöffnet, in dem auch sie zu ihrer Wahrheit finden und sich aus ihrer Duldungshaltung aufrichten können. Es geht darum, den Mut zu haben, seine Wahrheit auszusprechen hat auch mit Wertschätzung sich selbst gegenüber zu tun. Der Mut der einen, ermutigt auch andere aufzustehen und die eigenen Werte zu überdenken. Solche Werte können nur auf dem Boden der Wertschätzung gedeihen, die wir zuerst uns selbst schenken und dann unserem Gegenüber.  Indem wir jetzt anfangen hinzuschauen und darüber zu reden, weiten wir diesen Raum.

Für uns Frauen zuerst einmal und dann auch für die Männer, damit auch dort ein neues Selbstverständnis des Männlichen und auch des Weiblichen entstehen kann. Unsere patriarchal geprägte Gesellschaft ist wie ein Pendel, das an seinem äussersten Extrem angelangt ist. Dort kracht es erst einmal heftig an die Wand, bevor es beginnt in die Gegenrichtung auszuschlagen. Dabei wirbelt sein Sog viel Dreck auf, auch solchen, der nebenbei noch herumliegt. Das erzeugt zuerst noch mehr Chaos, als vorher schon an der Oberfläche sichtbar war, aber mit jedem Hin- und zurück Schwingen nähert es sich der Mitte, wo es schliesslich im Gemeinsamen zur Ruhe finden kann.

 #metoo könnte eine Chance sein, auch wenn vieles bei der Kampagne jetzt falsch zu laufen scheint und eigenartige Auswüchse hervorbringt oder ganz aus dem Ruder läuft. Übereifrige Interpretationen mit Stilblüten wie der Geschichte um Dornröschen. So lächerlich diese ist, ist der Verweis auf das Märchen trotzdem interessant. Der Prinz (männliches Prinzip) konnte erst durch die Dornenhecke (Bewusstsein) gelangen, als die hundert Jahre verstrichen waren, um sich mit Dornröschen (weibliches Prinzip) zu verbinden. Alles scheint seine Zeit zu haben. Jetzt ist die Zeit, die Werte des weiblichen Prinzips wieder zurück ins Bewusstsein der Menschen, der Frauen und der Männer zu holen. Das mag vielleicht eine Erklärung dafür sein, dass manches nicht schon früher ausgesprochen wurde, sondern erst jetzt ans Licht der Öffentlichkeit finden konnte. Vielleicht dient die #metoo Debatte dazu, die Dornen unserer Bewusstseinshecke in Rosen zu verwandeln und den Weg zu neuen weiblichen Werten frei zu machen.

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