#Pinkfirst!! Die Stunde der Frauen – jetzt erst recht!

Elisabeth Büchel Neuhold, 22.02.2018

Da bin ich dabei, denk ich mir und kauf mir die Brigitte Women am Kiosk. Man soll sich einen oder alle zehn Fingernägel pink lackieren und schon sei man Teil der Bewegung und könne so den Protest gegen Frauendiskriminierung und Ausbeutung unterstützen, steht in dem Artikel. Easy, mach ich doch gerne. Gemeinsam Farbe bekennen, für Freiheit und Schwesterlichkeit einstehen, für Frieden kämpfen. Ich bin wild entschlossen, meinen Geschlechtsgenossinnen beizustehen. Auf mich könnt ihr zählen, Frauen der Welt. Sowieso! Die Aktion erweist sich aber als gar nicht so einfach. Ich muss nämlich feststellen, dass ich nicht im Besitze eines pinkfarbenen Nagellacks bin. Aber die Sache ist es wert, und ich bin keine Frau die nur A sagt. Also fahr ich in die Stadt und lass mir in der Kosmetikabteilung eines Warenhauses den teuersten Nagellack aufschwatzen. La Vernis von Chanel, 606 Aurore. Die Verkäuferin findet nämlich, dass die grosse Symbolkraft den Preis absolut rechtfertigt und dass ich damit bestimmt etwas Sinnvolles tue.                                                                                                                                                       

Wer etwas bewirken will auf dieser Welt, muss auch bereit sein, Opfer zu bringen. Also verzichte ich an dem Nachmittag nicht nur auf den Kaffee mit meiner Freundin, ich drücke auch noch einer für pinkfirst-immunen Politesse fünfzig Franken in die nichtlackierten Finger für ein absolut unwesentliches Parkvergehen. Ausserdem vergesse ich wegen der bedeutsamen Mission das Elterngespräch mit der Kindergärtnerin meines Sohnes. Was solls! In der Stunde der Frauen kann man sich nicht um Alltagskram kümmern. Die Kindergärtnerin sieht das etwas anders. Tja, wir Frauen sind leider noch lange nicht am Ziel von solidarischer Verschwesterung. Nein, wir müssen endlich lernen, zusammenzuhalten, denn nur gemeinsam sind wir stark!


Während ich mir den kleinen Finger feierlich lackiere, denke ich an unsere Gross- und Urgrossmütter, die noch Plakate bemalen mussten und damit mutig auf die Strasse gingen, um für die Grundwerte unserer Demokratie einzustehen. Gut, etwas Mut kostet es mich dann doch auch, als ich am Abend in die Damenriege gehe. Aber, Frauen, der Weg zur Gleichberechtigung ist kein Sonntagsausflug. Lasst euch das gesagt sein! Seid mutig und leistet auch ihr euren Beitrag!

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