Ich bin tolerant. Wie steht es mit Ihnen?

Gaby Kratzer, 22.10.2018

Nicht jeder versteht oder empfindet Toleranz gleich. Es gibt genügend Menschen, da endet diese bereits am eigenen Gartenzaun. Toleranz hat sich über die Generationen nachhaltig verändert. Unsere Werte wurden durch uns selbst oder auch durch andere neu definiert. Themen wie andere Kulturen, Religionen, sexuelle Neigung/Orientierung, Meinungen oder Einstellungen beschäftigen uns täglich. Berichte über Mord, Raub, sexuelle, psychische wie auch physische Ausbeutung/Übergriffe, Masseneinwanderung aus allen Herren Ländern sind an der Tagesordnung. Toleranz, auch Duldung genannt. Müssen wir wirklich alles (er)dulden oder akzeptieren was uns täglich vorgesetzt, aufgezwungen wird?

Unsere Nachbarskinder schreien manchmal so laut, dass man meinen könnte sie werden körperlich bis aufs Blut bedroht. Ich murre, dennoch denke ich, wenn die Ferien vorbei sind und der Winter naht, mit wirklich tiefen Temperaturen, werden sie sicher wieder eher drinnen spielen. Bin ich deswegen intolerant gegenüber Kindern?

In unserem Dorf herrscht schon fast eine Katzenplage. Fast jede Haushaltung hat 1-3 Katzen. Nein, nicht drinnen, sondern draussen. Unser Hund mag Katzen. Also zum Jagen. Er ist angeleint, keine Angst. Trotzdem kommen die meist herzigen Wollknäuel auf unser Grundstück und teilweise koten sie in unsere Gemüsehochbeete. Lecker. Wir spritzen höchstens mal mit einer Wasserpistole nach den Büsis. Werde ich nun als Katzenhasserin abgestempelt?

Eine Arbeitskollegin wurde auf dem Heimweg von einem Mann mit einem Messer bedroht und zur Herausgabe ihrer Geldbörse gezwungen. Sie hat nun derart Angst alleine auf die Strasse zu gehen, dass sie nur in Begleitung zur bzw. von der Arbeit gehen kann. Ob sie nun allgemein zur Männerhasserin wird ist trotzdem anzuzweifeln.

«Puls» ist bei SRF eine Gesundheitssendung. Meistens werden wirklich sehr interessante Themen behandelt. Gibt es ein Interview mit einem Arzt, Psychiater oder sonst einer Fachperson sind es immer (oft) deutsche Mitbürger, die in der Schweiz leben, die ihren Senf dazugeben. Ich frage mich dann: Gibt es wirklich keine Schweizer die auch befähigt wären ihr Fachwissen beizutragen? Habe ich nun etwas gegen Deutsche?

In den eigenen vier Wänden von zwei Asylbewerbern misshandelt, vergewaltigt und ausgeraubt zu werden ist eine abgrundtiefe Ungeheuerlichkeit, die nicht nur strafrechtlich verfolgt werden muss. Weil einzelne Asylanten scheinbar nicht wissen, wie man sich in ihrem Gastland benimmt, müssen nicht alle Asylanten schlecht sein. Doch was müssen wir Frauen uns von unseren Gästen alles bieten lassen?

Egal welches Thema ich noch aufzählen werde, es ist die einzelne Begebenheit zu betrachten und auszuwerten. Pauschalisieren bringt uns nicht weiter. Wenn uns der «Missstand» nicht betrifft, dann sind wir alle tolerant bis aufs äusserste und nicht selten prahlen wir damit wie hoch unsere Toleranzgrenze ist. Sollte es aber direkt uns persönlich an den Kragen gehen oder einem unserer Liebsten, dann ist es mit der Toleranz eher schlecht bestellt. Auch ich bin da keine Ausnahme.

Toleranz kann zu einer endlosen Diskussion führen.

Ich frage mich bei manch Problematiken: Wann ist die Toleranzgrenze erreicht?

2  Kommentare

  • Angela und Daniel
    01.11.2018 11:07 Uhr

     

    Liebe Gaby

     

    Danke. Du sprichst ein wichtiges Thema an, das ich genau in diversen Situationen erlebe. Und auch ich frage mich oft ob ich nicht tolerant genug bin. Auf deine Frage, wann ist die Toleranzgrenze erreicht (bei manch Problematiken)? möchte ich wie folgt antworten: für mich wird es nie ein „wann“ geben eher ein „wie gehe ich damit um“. Wir alle sind auf unserem Weg der Entdeckung. Wir erfahren, erleben und erkennen einiges auf unserem Weg. Entwicklung findet jeden Tag, jeden Moment statt. Wie wir wissen, verändert sich die Erde permanent. Wenn es ihr zu viel wird zeigt sie es uns indem sie sich im wahrsten Sinne des Wortes schüttelt und rüttelt – zeigt uns wo ihre Toleranzgrenze ist. Wann hört das für sie auf, dass der Mensch sich alles von ihr nimmt? Kann es ein „wann“ geben? Wenn ich sehe wie wir Menschen uns ihr gegenüber verhalten, würde ich mit einem „nie“ antworten. Deshalb beschäftigt mich schon seit geraumer Zeit die Frage wie ich, hier wo ich jetzt stehe, mit diesem Thema immer wieder neu umgehen soll. Höre ich auf meine innere Stimme rät sie mir, wann immer möglich, bei mir selbst zu bleiben. Mich nicht von aussen beeinflussen zu lassen (oder selber zu beeinflussen) und mich stets zu fragen: Fühle ich mich mit den Anderen wohl, was ich sehe und erlebe? Tja, einfacher gedacht als getan. Trotzdem ist es aus meiner Sicht wichtig, das Thema der Toleranz nicht nur zu verinnerlichen sondern eben auch zu üben. Ich habe für mich erfahren, dass nur zu wissen für mich nicht ausreichend ist, um toleranter gewissen Themen gegenüber stehen zu können. Um Toleranz zu leben, muss ich das Thema des nicht tolerieren können, verstehen. Das gelingt mir nur durch Übung.

     

    Liebe Gaby, mit deinem Artikel hast du etwas in mir zum Schwingen gebracht. Dafür danke ich dir.  Nun schwinge ich mich hinein in meinen Alltag und übe weiter.

     

    Sonnige Grüsse

     

    Angela

         

  • Rosmarie
    25.11.2018 22:41 Uhr

    Liebe Gaby

     

    In deinem Beitrag finde ich viele, viele Beispiele, die mich täglich auch beschäftigen. Heisst tolerieren nicht auch anpassen? Ist anpassen nicht auch ein Stück aufgeben? Geben wir unsere Werte auf nur um nicht als intolerant zu gelten? Ist das nicht auch feig? Ich stelle immer wieder fest, dass in vielen andern Ländern die Toleranzgrenze nicht so hoch ist und dass diese Länder als selbstsicher und erfolgreich gelten. Was war mit den Urvölkern? Waren die vielleicht auch zu tolerant? Toleranz sollte doch gegenseitig sein. Ich habe aber mehr und mehr das Gefühl, dass wir nicht nicht tolerant sind sondern zu wenig selbstsicher um Toleranz auf Augenhöhe einzufordern. Mit andern Worten wir geben auf.

    Liebe Grüsse

    Rosmarie

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