Der Tag der Frau ist ein Boxenstopp

Benita Batliner, 22.02.2018

Brauchen wir einen Muttertag? Einen Vatertag? Einen Valentinstag, Weihnachten?

Alles hat zwei Seiten. Eine kommerzielle, die alles ausschlachtet und mit so grellem Licht bestrahlt, dass es weh tut und man sich erschrocken und angewidert abwendet. Und eine tiefgründige, die den  Sinn, der dahinter steht ergründet. Was ist die ursprüngliche Botschaft solcher Tage, was wollen sie uns ins Gedächtnis rufen? Ist es überhaupt nötig, dass uns da eine bestimmte Botschaft zugerufen wird? Kennen wir sie nicht sowieso schon? In diesem Fall, dass die Frauen mehr Raum, mehr Präsenz, mehr wahr und ernst genommen werden sollen? Gibt es nicht schon genug Aktionen und Geschriebenes, was uns ständig auf die Problematik hinweist? Sind wir nicht schon völlig übersättigt, dass uns bereits schlecht davon ist und  uns die Parolen zu Hals und Ohren heraushängen? Versickern nicht alle Mahnrufe, Forderungen, Wünsche und Bemühungen im Morast des Überangebotes und faulen dahin zu Desinteresse und Abstumpfung? Gerade deshalb braucht es einen Tag der Frau. Als Leuchtturm, der uns in stürmischer See den Weg weist. Der uns wieder Orientierung geben kann, indem er uns an den Sinn erinnert, wenn wir uns im Wirrwarr der Informationen und Meinungen verloren haben.

 

Der Tag der Frau ist ein Boxenstopp, den wir einlegen können auf unserer Hast durch das Jahr, ein Punkt um Innezuhalten und uns zu fragen, worum es wirklich geht: nämlich um unseren Platz in dieser Welt, um unseren Wert als Frau. Um Gleichwertigkeit. Und nicht um rosa Mützen, Stricknadeln, nackte Brüste und Selbstdarstellung. Damit machen wir uns meiner Ansicht nach nur lächerlich. Es geht um uns Frauen, darum, dass wir uns selbst wieder finden, unsere Stärken, unsere Weiblichkeit, unsere Einzigartigkeit, unsere wundervolle Andersartigkeit. Es geht darum, unseren Platz einzunehmen in dieser Welt, sie mit unseren weiblichen Qualitäten zu bereichern und das Gleichgewicht wieder herzustellen. Aber dazu müssen wir uns selbst einmal bewusst sein, was weibliche Qualitäten sind. Der Tag der Frau wäre ein guter Anlass, einmal nach innen zu gehen und sich zu fragen, welchen Wert wir uns als Frau geben, wie wir uns in unserem Frausein wertschätzen und welche weiblichen Anteile in uns wir lieben und welche wir ablehnen. Denn wie können wir von der (Männer) Welt erwarten wertgeschätzt und gleichwertig behandelt zu werden, wenn wir es selbst nicht tun?

 

Wir haben die Wahl welcher Seite wir uns zuwenden: der lauten, kommerziellen, welche die ursprüngliche Botschaft breit trampelt und uns in einen Strudel der Belanglosigkeit zu ziehen droht, oder der Sinnseite, die uns daran erinnert, worum es geht oder gehen soll. Brauchen wir diese Erinnerung wirklich? Vielleicht nicht wir alle, aber genau darum geht es doch: dass diejenigen, die die Präsenz und das Bewusstsein bereits in sich tragen, die Leuchtfeuer anzünden für jene, die noch auf stürmischer See unterwegs sind.


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