Den ekelhaften Kerlen soll das Handwerk gelegt werden

Verena Lüthi, 17.01.2018

Legt diesen ekelhaften Kerlen endlich das Handwerk! Frau stehe dazu – klage an, nenne Namen! Auch wenn es längst zurückliegt, was soll’s. Alles wird an die Öffentlichkeit gezerrt. Schwestern, wir sind in bester Gesellschaft! Da eine Schauspielerin, die mit schmerz verzerrtem Gesicht von den lüsternen Fingern eines Regisseurs berichtet, die sich vor zwanzig Jahren unter den Saum ihres Minirockes geschoben haben. Eine Politikerin, die vor Begeisterung über die errungene Wahl ins Stadtparlament nicht merkte, dass der Parteivorsitzende ganz andere Absichten hatte, als sich mit ihr über den Wahlsieg zu freuen.

Mir verweigerte man die Anerkennung meiner Diplome – damals in Belgien. Der Beamte zögerte die Beglaubigung immer wieder hinaus. In einem kleinen Sitzungszimmer mit einem älteren, nach Schweiß stinkenden Abteilungsleiter brachte ich mein Anliegen zum wiederholten Male vor. Er antwortete mit zweideutigen Bemerkungen über attraktive Schweizerinnen, während sein lüsterner Blick unangenehm auf meinem üppigen Busen kleben blieb. Siehe da – plötzlich ging wie geschmiert, was bisher unmöglich schien; er beglaubigte tatsächlich die Papiere. Verschwörerisch zwinkerte er mir zu, während er seinen Stempel auf die Unterlagen knallte. Dann legte den Arm um mich und drückte mir seine feuchten Lippen auf die Wange. „Einer schönen Frau kann ich halt Nichts abschlagen“ meinte er mit einem schmierigen Grinsen. Ich dankte mit einem – ich gebe es zu – falschen Lächeln und verliess das Gebäude fluchtartig.

Ein Übergriff? Sicher, doch ich bekam, was ich wollte. Die Art und Weise habe ich bestimmt nicht gut geheißen, aber akzeptiert. Soll ich mich jetzt in die Schar der MeToo-Betroffenen einreihen? Auf keinen Fall!  Mit solchen längst vergangenen - und man muss es sagen -, von frau mehr oder weniger gebilligten Zudringlichkeiten machen wir uns nur lächerlich. Sexuelle Übergriffe gehören unmittelbar angezeigt. Da kann MeToo ein Segen sein, vielleicht sogar übers Netz Barrieren setzen, zum Mindesten kann es Mut machen, sich sofort zu wehren.

Doch, was als unangenehme Erfahrung in unseren Erinnerungen abgespeichert ist, soll gefälligst dort bleiben. Ansonsten werden wirkliche Aufdringlichkeiten nur verwässert und wir Frauen stehen da, als ob wir publicitygeil auf einen fahrenden Zug aufspringen und uns so ins Bewusstsein sensationsheischender Leser bringen wollen.

Und die bösen Buben? Die finden sich in einer immer grösser und illustrer werdenden Gesellschaft, wo ihr unflätiges Benehmen sogar salonfähig wird, bis ein nächster Skandal die gut gemeinte MeToo Bewegung ablöst und diese im endlosen Müll des WWW verschwindet.

1  Kommentar

  • DF
    07.02.2018 10:32 Uhr

    Hallo Verena

    Ich stimme dir da zu.

    Weshalb die Frauen erst nach 20 Jahren den Mund aufmachen, von wie du sagst, mehr oder weniger gebilligten Zudringlichkeiten, lässt mich zum Teil auch glauben ja diese Frauen waren eingeschüchtert, wolltent aber den Job oder Karriere erreichen koste es was es wolle.

    Die Me-Too Bewegung soll Mut machen und ich hoffe sie gerät nicht bald wieder in die Vergessenheit

     

     

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