Das Herz - ein Wespennest

Benita Batliner, 24.06.2018


Wenn die Hormone tanzen

braust in mir ein Sturm heran.

Es knistert in der Luft,

und meine Aura explodiert in Rot.

 

Wenn die Hormone tanzen

verkriecht sich meine Seele

in dunkle Winkel meines Seins,

die Knie zum Kopf gezogen,

verstört und winzig klein.

 

Wenn die Hormone tanzen

bin ich ausser mir.

Ich steh’ nicht länger in der Mitte,

hör’ nur ganz leise diese Bitte:

komm zurück zu mir.

 

Wenn die Hormone tanzen

blickt aus dem Spiegel eine Fremde,

die ihre Kraft verloren hat.

Sie ist vom Grat gefallen,

der ihr die Richtung gab.

 

Wenn die Hormone tanzen,

tobt die wilde Frau in mir,

weint die Verlassene,

sehnt sich die Liebende,

wütet die Kämpferin.

 

Wenn die Hormone tanzen

ist die Zunge kampfbereit,

das Herz ein Wespennest,

kommt bald der Fall

ins schwarze Loch der Einsamkeit.

 

Wenn die Hormone tanzen

weiss ich, dass ich dem Leben folge,

seinen Rhythmen, seiner Melodie,

und bin ganz Frau,

im Fluss der Weiblichkeit.

 

Wenn die Hormone tanzen

wehre ich mich nicht länger

gegen das Durchwandern tiefer Täler,

sondern pflücke die Blumen

die auf ihren Wiesen blühen.

 

Und wenn der Tanz zu Ende ist

erhebt sich die Königin in mir

und schreitet voller Würde weiter.

6  Kommentare

  • Gaby Kratzer
    29.06.2018 21:23 Uhr

    Liebe Benita

    So wunderbar wahr und und absolut auf den Kopf getroffen....und wie

    Man spürt, wie die Prinzessin zur Konigin wird. Herrlich.

    Vielen Dank für diese Empfindungen.

    Ganz liebe Grüsse Gaby

  • Gudrun
    30.06.2018 22:36 Uhr
    Tanz, Benita, tanz!
  • Anna Klassen
    01.07.2018 12:23 Uhr

    Liebe Benita

    Ich finde dein Gedicht sehr schön. Die Art wie du die damit verbundenen Gefühlszustände einer Frau darin zum Ausdruck bringst- toll!

    LG Anna

  • Monika Hengartner
    03.07.2018 16:43 Uhr

    Lebenserfahren, kraftvoll, ermutigend und einladend!

    Mit meinem herzlichen Dank für das Teilen von diesem Reichtum von weiblich-hormonellem Tiefgang
    stimme ich in Gudruns Freudengesang mit ein: "Tanz, Benita, tanz!"

    Für die Königin und ihre Würde!

  • Eveline
    03.07.2018 19:07 Uhr

    Liebe Bettina

    Herrlich wie du das Wechselspiel der Gefühle ausdrückst, dieser ewige Wellengang.

    Liebe Grüsse

    Eveline

  • Verena Lüthi
    04.07.2018 07:57 Uhr

    Liebe Benita, 

    Das ist nicht das erste Gedicht von dir, das bei mir gerahmt ist - es wird aber das zweite sein. So herrlich geschrieben, ich wünsche dir noch viele Wespennester. 

    Herzliche Grüsse

    Verena

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