Ach Schwestern! Sollen wir nun alle Kohlensäcke tragen?

Eveline Keller, 17.01.2018

Ju-hu, #metoo! Dieser hashtag ist wichtig. Das Thema, sexuelle Belästigung soll breit diskutiert werden, damit auch die ewig Gestrigen merken, welche Stunde es geschlagen hat. Was hier beschrieben wird, zugegeben manchmal skurril, manchmal übertrieben detailgetreu oder verdächtig süffig, soll mit dem Tabu aufräumen.  Man würde meinen, dass spätestens nach der Kölner Sylvesternacht jedem, ob einheimisch oder eingewandert, klar geworden sein müsste, dass keiner ungefragt begrabscht werden will. Obwohl viele Weiblein wie Männlein das schon erlitten haben, blieben die meisten beschämt stumm. Vielleicht um zu verhindern, dass man sich wegen dem Tragen eines Mini-Rocks oder einem einladenden Ausschnitt rechtfertigen müsste. Und man kriegt da nun erklärt, wie man sich anzuziehen hätte. Die Konsequenz daraus wären Kleidervorschriften.

Fehlte nur noch, dass wir die aus dem Iran übernehmen. Ach Schwestern! Sollen wir nun alle Kohlensäcke tragen? Die Opfer sollen bestraft werden, um die Täter nicht zu provozieren. Diese verquirlte Sch… wollen uns Religionsführer seit der Geburt Jesu als Erbsünden-Mist einreden und der Islam schlägt da in dieselbe Kerbe. Meiner Meinung nach sollte das Thema, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, in den Familien, in den Vereinen und überall da, wo Menschen miteinander zu tun haben diskutiert werden. Es ist nötig, dass man offen darüber reden kann. Es geht in erster Linie nicht darum, andere zu beschuldigen sondern ein Statement abzugeben. Klar zu benennen was zukünftig nicht mehr toleriert wird.

Nicht nur die Belästigten sollen zu Wort kommen. Nein, auch jene, die sich ungerecht beschuldigt fühlen. Sie verstehen oft die Welt nicht mehr. Denn bisher war es salonfähig, anzüglichen Sprüche zu klopfen und ebensolche Witze übers Handy zu verbreiten, oder die Hand, mal auf gut Glück wandern zu lassen. Plötzlich sollte das alles nicht mehr erlaubt sein? Ach ihr Spassbremsen! Verbote wohin das Auge reicht, auch mir gefällt das nicht. Stellen sie sich vor, wir müssten zukünftig vor jeder sexuellen Handlung eine schriftliche Erklärung unterzeichnen, dass diese einvernehmlich geschieht. Gibt es dazu schon ein App? Alle haben hat ein Recht darauf, mit Würde und Respekt behandelt zu werden. Und doch, wir können das was vor zwanzig oder dreissig Jahren geschah nicht ändern. Aber mit der #metoo-Kampagne werden wir das Morgen verbessern können.

2  Kommentare

  • Monika Hengartner
    19.01.2018 12:58 Uhr

    Liebe Eveline  Ja, ich gehe mit dir einig: "Alle haben hat ein Recht darauf, mit Würde und Respekt behandelt zu werden." In bezug auf Iranerinnen ist mir in diesem Sinne bedeutsam, darauf hin zu weisen, dass diese auch starke Frauen sind! Sie setzen sich für eigene Werte und Kleidung ein. Keine fremde Massenware. Keine Vergötterung des Westlichen, Amerikanischen. Es ist eine positive Form von Wut, Stopp und Halt zu sagen. "Hier bin ich und da gilt..." Zugegeben, das fordert heraus. Die eigenen Grenzen auch setzen zu können. Die Schwäche, die zu sexuellen Übergriffen führen kann, die befindet sich ja nicht ausserhalb unseres Lebens. Für mich heisst das, üben, und, wo immer möglich. gängige Meinungen nur hinterfragt "anzunehmen". Danke für deinen Impuls.

  • Elsa Egloff
    04.02.2018 10:04 Uhr

    Die sexuellen Übergriffe sind Machtausübung, Kriegstrategien... es beschädigt die Seele tief innen. Die Opfer können zum Teil ihr ganzes Leben nicht darüber reden. Sie können den Horrer nicht in Worte fassen. Es können auch andere Dinge sein, z.B.Schläge oder immer wiederkehrende Wörter, Beschimpfungen die weitreichende Folgen für die persönliche Entwicklung eines Menschen haben.

    Es ist gut, haben wir die neuen Medien. Wir müssen es der Welt mitteilen. Wir müssen sagen wer was getan hat. Die "Respektpersonen" haben kein Recht ihre Machtposition- oder Vertrauensposition auszunutzen und Andre beschmutzen, erniedrigen und für den rest ihres Lebens zu beschädigen.

    Wir Frauen müssen aufhören als Bittstellerinnen durch die Welt zu gehen.Es kann icht sein, dass wir uns verrenken und verdrehen, das ganze Leben lang um den Standards für eine gute Frau zu genügen. Ein schlechtes Gewissen zu haben wenn wir mal 5 Minuten Pause machen und einen Kaffee trinken. Wir sind Hausfrau, Mutter, Geschäftsfrau, Geliebte, Lehrerin, Psychologin, Ärztin, Einkäuferin, Köchin, Putzfrau, helfen den Kindern bei den Matura Arbeiten, gehen selber in Weiterbildungen, müssen immer jung und engagiert aussehen (wehe frau ist über 40 dann ist es aus mit einer Arbeitsstelle) und, und, und. Die Liste kann unendlich weiter geführt werden.

    Ohne die Frauen und zwar auf der ganzen Welt, wäre unsere Erde noch schlechter dran. Den grössten Anteil der Arbeit die geleistet wird, wird von Frauen geleistet. Der grösste Anteil von Geld und Besitz ist in Männerhand.

    Hören wir also auf Bittstellerinnen zu sein. Wir müssen uns nicht verbiegen um Jemand zu sein. Lassen wir unser Licht strahlen und ein leuchtendes Vorbild für die nächsten Generationen sein. Wir haben also das Recht, ja die Pflicht alles öffentlich zu machen, was Unrecht ist. 

     

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