Wenn Paare in die Jahre kommen

Julia Onken, 12.12.2016

123rf.com, HONGQI ZHANG
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Paare, die schon eine längere Zeitstrecke miteinander zurückgelegt haben, machen die Erfahrung, dass sich das Zusammenleben im Laufe der Zeit verändert. Nach vielen gemeinsamen Jahren ist man mehr oder weniger gut aufeinander eingespielt - was von den einen als angenehm empfunden, von anderen hingegen eher als mühsam oder gar als langweilig erlebt wird. Es mag sein, dass sich in den späteren Jahren der Alltag etwas gemächlicher abspielt, die anstrengende Elternzeit entlässt viele aus Betreuungsaufgaben, die heranwachsenden Kinder machen sich zum Abflug aus dem elterlichen Nest bereit oder sind schon ausgeflogen. Auch im Beruf wird etwas kürzer getreten, man denkt vielleicht bereits darüber nach, wie der nahende Ruhestand zu gestalten wäre. So wird der Pflichtenkatalog allmählich weniger dicht. Vielleicht wird dies als neue Freiheit empfunden, es werden Pläne geschmiedet und Reisevorhaben ins Auge gefasst. Vielleicht aber melden sich auch wehmütige Gedanken, schliesslich geht es um den Abschied von einer Lebensphase. Vorher war man eine Familie mit mehreren Personen, die Tischgespräche waren lebendig und interessant. Und nun sitzt man sich plötzlich zu zweit gegenüber und gelegentlich kommt einem sogar der Gesprächsstoff abhanden. Und noch etwas verändert sich: Bei vielen Paaren kühlt sich  das leidenschaftliche Begehren etwas ab, der Hormonhaushalt drängt nicht ständig nach Befriedigung, körperliche Berührungen werde seltener.                                 

Was nun? Kann man dem Lauf der Zeit und all seinen Veränderungen ein Schnippchen schlagen? Angebote gibt es zu Hauf, die neue Jugendlichkeit und sexuelle Attraktivität versprechen. Die Aushängeschilder dieses Trends schrecken indessen eher ab, als dass sie zur Nachahmung verführen würden. Im übrigen ist es gerade in der Paarbeziehung schwierig, irgendwelche Täuschungsmanöver auf Dauer zu tarnen. Jeder Schwindel ist im Grunde ein Versuch, auf eine falsche Fährte zu setzen – nicht nur den anderen, sondern auch sich selbst.

Als Paar überleben                                                                                                                                                        Wenn zwei Menschen als Paar überleben wollen, gehört Wahrhaftigkeit als ethische Grundhaltung zur Basisausstattung - wie etwa für die Besteigung eines Berges eine solide Ausrüstung erforderlich ist. Das Kernstück jeder Beziehung ist die Liebe. Manchen Paaren gelingt es, die gegenseitig intensiv empfundene Liebe ein Leben lang zu bewahren. Bei anderen dagegen schleicht sich die Liebe davon, manchmal lautstark oder aber beinah unmerklich, auf leisen Sohlen. Und erst, wenn sie nicht mehr da ist, wird das Verschwinden der Liebe als schmerzlicher Mangel empfunden.

Viele Menschen gehen davon aus, es gehöre eine grosse Portion Glück dazu, um als Liebespaar durchs Leben gehen zu können. Das ist zwar richtig, gleichzeitig aber auch falsch. Die Liebe folgt nämlich bestimmten Gesetzmässigkeiten. Wer diese kennt, braucht nicht Glück, sondern die Einsicht, dass solche Grundregeln nützlich sind.  Von Glück reden können wir allerdings dann, wenn auch der männliche oder weibliche Liebespartner daran interessiert ist, in die Dauerhaftigkeit der Liebe einiges zu investieren und sich um Grundbedingungen aktiv zu kümmern. Eine Liebesbeziehung ist eben nicht einfach nur eine vergnügliche Spielwiese mit verschiedenen Spassangeboten, sondern sie ist manchmal mit einem anspruchsvollen Arbeitsplatz vergleichbar. 

Der Liebe eine Chance geben                                                                                                                                            Die erste Verliebtheit bekommen wir geschenkt, sie überfällt uns, setzt die Urteilsfähigkeit ausser Kraft - was übrigens eine geniale Erfindung der Schöpfung ist. Wären wir bei vollem Verstand und würden wir gar am Schreibtisch sorgfältig das erwünschte Partner-Profil errechnen, würden wir wahrscheinlich unverzüglich die Bremse anziehen. So aber lassen wir uns auf das grösste Wagnis ein, auf die möglicherweise schmerzlichste Lektion, die das Leben zu bieten hat: auf die Liebe. Und bevor wir uns richtig besinnen können, landen wir in einer Art Kelter, die unsere Verliebtheit so lange bearbeitet, bis das Destillat Liebe herausgefiltert wird.  

Dieser komplexe Vorgang fördert auch so etwas wie ein Lernprogramm zutage.  Wir lernen, dass es Verhaltensweisen und Handlungen gibt, die Liebesgefühle verunmöglichen, ja  sich unter Umständen ins Gegenteil, in Ablehnung und sogar Hass, verwandeln. Die häufigsten Beziehungsfallen sind unspektakulär, sie treten beiläufig auf und nisten sich oft geschickt maskiert in Beziehungen ein.

Eine solche Falle ist der Versuch, den Menschen, mit dem man zusammen lebt,  verändern zu wollen und nach eigenen Vorstellungen zurechtzubiegen. Insbesondere Frauen sind wahre Meisterinnen, wenn es darum geht,  für den Partner ein Nacherziehungsprogramm zu erfinden. Da sich aber die meisten nur dann verändern, wenn sie das selbst als anstrebenswert erachten, ist der Versuch in der Regel zum Scheitern verurteilt. Dann aber macht manche Frau beispielsweise den Denkfehler, die mangelnde Veränderungsbereitschaft des Partners sei der Beweis für einen Mangel an Liebe. Der verhängnisvolle Satz „würdest du mich wirklich lieben, wüsstest du was ich fühle und was ich wünsche“ zeigt deutlich die falsche Verknüpfung von Liebe und Liebesbeweis. Ständige Anpassungsbereitschaft an die Wünsche des Partners, der Partnerin, ist noch lange kein Liebesbeweis. Wer sich zwanghaft unterordnet und anpasst, wird sich selber untreu, begeht Verrat an sich selbst und verliert schliesslich den Kontakt zur eigenen Persönlichkeit.

Die Quittung für ständige Anpassungsleistungen zeigt sich erst später, wenn Paare in die Jahre kommen. Wer ständig Opfer erbracht hat, möchte wenigstens annähernd entschädigt werden – oder sucht sich selbst einen Ausgleich. Eine eigentliche Katastrophe ist jedoch die schmerzliche Erfahrung, erst dann geliebt zu werden, wenn man die Wünsche und Vorstellungen des Partners erfüllt. Das heisst doch: „So, wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung.“ Die Folgen dieses in sich gestörten Grundgefühls zeigen sich oft in späteren Jahren, denn jeder Mensch braucht Anerkennung, Wertschätzung und Akzeptanz. Es sind dies Ingredienzen, die zum Gefühl gehören, man werde rundum geliebt.

Wenn wir verliebt sind, sind die Gefühlsspeicher randvoll, unbekümmert zehren wir vom Vorrat. Wird der Speicher aber nicht immer wieder neu nachgefüllt, landen wir irgendwann auf dem harten Boden der Enttäuschung.   Das  Bedürfnis nach einem wertschätzenden Blick, einem anerkennendem Wort, einer liebevollen Berührung bleibt nämlich  immer vorhanden – und wird wohl bis zum letzten Tag erhalten bleiben. Wer sich nicht mehr geliebt fühlt,  verschliesst sich, distanziert sich, die Herzkanäle verengen sich. Da, wo einst ein warmer Strom der Zuneigung floss, sucht ein jämmerliches Beziehungs-Rinnsal seinen Weg. Vielleicht ist man noch bemüht, irgendwie freundliche aber belanglose Worte aneinander zu richten. Aber das, was uns einst verband, lebt nur noch in der Erinnerung.

Nun ist aber der Mensch grundsätzlich ein lernendes Universum und deshalb stehen alle Möglichkeiten offen. Der erste Schritt besteht in der Einsicht, dass Beziehungen gepflegt werden wollen, sonst verkümmern sie. Das beste Pflegemittel für die Partnerschaft ist das Gespräch. Damit ist nicht der Austausch über Sportergebnisse und die mühsamen Nachbarn gemeint, sondern über das, was wir erleben, was uns erfreut, über was wir nachdenken und auch was uns Sorgen macht. Gerade mit dem Älterwerden gibt es viele Themen, die wir miteinander besprechen können, schliesslich durchlaufen wir verschiedene Phasen, die uns zu Veränderungen aller Art herausfordern.  Oft wissen wir herzlich wenig voneinander, wie es uns dabei geht, aber wenn wir uns gegenseitig in Gesprächen anvertrauen, können Liebesgefühle von einst wieder aufblühen wie eine etwas vernachlässigte Pflanze, die wieder regelmässig mit Wasser begossen und an einen sonnigen Platz gerückt wird. Der zweite Schritt besteht in der Umsetzung, bedeutet bewusst eine Gesprächskultur pflegen zu wollen. Einmal wöchentlich ist eine ungestörte Stunde zu reservieren. Jeder spricht 20 Minuten über das, was ihn bewegt, die ganz persönlichen Anliegen, Ängste, Wünsche dürfen geäussert werden. Der andere hört zu, und zwar ohne zu kommentieren, zu kritisieren oder zu bagatellisieren. Einfach zuhören, zu verstehen versuchen. Dann wechseln die Rollen. Während der dritten 20 Minuten tauschen wir uns über das Gehörte aus.

Ein Bereich sorgt immer wieder für Unruhe: die Sexualität. Hat denn tatsächlich alles seine Zeit? Die Meinungen gehen auseinander. Die einen gehen davon aus, zu einem glücklichen Leben gehöre die Praxis sexueller Aktivitäten unabdingbar dazu. Andere erleben eher eine Beruhigung: „Wie angenehm, nicht jedem Rock hinterher hecheln zu müssen“, meinte ein Sechzigjähriger. Soviel wird klar: sexuelle Bedürfnisse sind individuell – aber das waren sie doch auch in jungen Jahren. Der grösste Irrtum besteht wohl in der Annahme, die Frequenz sexuell operativer Betätigung sage etwas aus über die Qualität einer Liebesbeziehung. Entscheidend ist aber viel mehr die Frage, ob ein Paar seelische Nähe und Verbundenheit füreinander empfindet. Zudem gibt es eine breite Palette sinnlicher Erfahrungsbereiche, die uns miteinander in Beziehung bringen und uns innerlich berühren. Es gibt eben Paare, die im Laufe des Zusammenlebens zu Freunden geworden sind, die füreinander da sind, sich gegenseitig in allem begleiten, die sich rundum wohlwollend verbunden fühlen. Es sind Menschen, die gelernt haben, den Partner oder die Partnerin zu lieben, sie sind Liebende geworden. So gesehen, müssen sie eben nicht mehr „Liebe machen“, weil sie ja in ihrem ganzen Wesen dem Partner liebend verbunden sind. Wenn Paare mit den Jahren sich innig freundschaftlich verbunden fühlen, ist dies wohl das Qualitätslabel schlechthin – ob mit oder ohne Sexualität.

Lieben will gelernt sein. Die langjährige Partnerschaft bietet immer wieder erstklassigen Lehrstoff – auch wenn die eine oder andere Lektion etwas schwierig ist oder sich zu einem ungelegenen Zeitpunkt aufdrängt.

4  Kommentare

  • Friede Bauscher
    27.12.2016 11:36 Uhr

    Frau Onken hat gut reden, lebt warhscheinlich in einer glücklichen Beziehung. ich habe aber 40 Ehejahre hinter mir und kann nur sagen, was da die Psychologen von sich geben, kann man alles vergessen. Alles blödes Zeug und hilft im Alltag überhaupt nicht. Man sollte sich wirklich überlegen, wie Paare, die in die Jahre gekommen sind, eingermassen gut miteinander überleben können. Frieda B.

  • Annette G.
    10.01.2017 13:40 Uhr

    Liebe Frau Bauscher

    Eine Ehe über 40 Jahre ist eine lange Zeit. Bei Ihnen klingt es fast, wie eine schwer empfundene Last und Strafe...

    Ich war fast 50 Jahre verheiratet. Nun bin ich Witwe. Unsere Ehe war gewiss kein Zuckerschlecken, aber wir haben gelernt miteinander zu reden, auch wenn die Fetzen fliegen. Auch ich hatte Kriesen mit meinem Mann zu bewältigen. Weil mir aber unser Zusammenleben wichtig war, bin ich alleine, zuerst zu einer Psychologin und anschliessend noch zu einer Psychaterin gegangen. Ich habe sehr viel davon provitieren können. Denn meine Schuldzuweisungen und die mir zugefügten Ungerechtigkeiten von meinem Mann empfand ich langsam mehr als anstrengend. Die Therapie Stunden haben mir durch das Hinterfragen meiner Unzufriedenheit und Wut, endlich Antworten gegeben. Es waren aber keine Lösungsvorchläge der Therapeuten, sondern ich habe mich ehrlich gefragt, wie würde ich mich anstelle von meinem Mann verhalten. Ich habe gelernt, es sind immer zwei, die den Alltag schwierig machen. Einer der es sich gefallen lässt und einer der den Ton angiebt. Männer denken nicht wie Frauen, und daran scheitern wir meistens. Unsere Erwartungen werden sehr hoch gestellt: "Aber das hätte mein Mann doch wissen müssen, das er mich gekränkt hat. Warum merkt er nicht, das es mir schlecht geht und ich Kummer habe.!" Das sind zwar nur die gängigen Beispiele, aber Wörter haben Macht. Sie setzen sich fest im Kopf und bleiben hängen.

    Ich denke, wenn man auch im Alter seine Ehe als lebenswert erhalten möchte, dann ist es eine Pflicht, daran zu arbeiten und sein Bestes zu geben. Denn wer ist schon ohne Fehl und Tadel.

  • Jacqueline Jäger
    04.05.2017 17:09 Uhr
    Liebe Julia Mit grossem Interesse habe ich Deine Worte zum Altern als Paar gelesen. In vielen Deiner Gedanken finde ich mich und meine Erfahrungen wieder. Ein wesentlicher Punkt für eine gute Partnerschaft ist für mich der respektvolle Umgang miteinander und die Wertschätzung des Partners/der Partnerin. Ohne Kommunikation, ohne regelmässigen verbalen Austausch über eigene Gefühle und Bedürfnisse wird es für junge und ältere Paare langfristig schwierig. Für eine gelingende Partnerschaft braucht es darüber hinaus die je eigene Zufriedenheit. Es wird äusserst schwierig, wenn mann/frau das Glück vom Partner abhängig macht. Kein Lebensgefährte kann die Verantwortung für mein Glück und mein Zufrieden-Sein übernehmen. Wenn es mir nicht gut geht, kann ich den besten, liebenswertesten Menschen an meiner Seite haben. Er kann mich allenfalls kurzfristig auffangen, aber nicht langfristig glücklich machen. Nur wenn ich auch ohne Partner/in glücklich und zufrieden und mit mir im Reinen bin, kann ich eine ausgeglichene, erfüllte Partnerschaft leben. Das heisst auch, dass ich mich auf keinen Fall aufgeben darf und weiterhin auf meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche achten muss. Womit wir wieder bei der Paarkommunikation wären. J.J.
  • Karin Zimmermann
    15.05.2017 10:22 Uhr

    Liebe Frau Bauscher

    Mit einigem Interesse habe ich Julia Onkens Beitrag „Wenn Paare in die Jahre kommen“ gelesen. Einiges, was Julia Onken beschreibt, kenne ich auch, von anderem kann ich mir gut vorstellen, dass das mal so oder ähnlich auch bei mir und meinem Mann sein wird.

    Als ich aber Ihren Kommentar dazu gelesen habe, da dachte ich spontan: „Oh, je.“

    Sie schreiben, Sie hätten 40 Ehejahre hinter sich und was Psychologen so von sich gäben, helfe im Alltag überhaupt nicht. Sie gehen davon aus, dass Julia Onken in einer glücklichen Beziehung lebe. Ich schliesse daraus, dass Sie sich in Ihrer eigenen Beziehung als nicht glücklich erleben.  Sie fragen sich, wie Paare, die in die Jahre gekommen sind, einigermassen gut miteinander überleben können. Sie schreiben nicht leben – sie schreiben überleben und ich frage mich, ob Sie Ihre Beziehung als täglichen, bitteren Kampf (gegen Ihren Partner) empfinden. Ich nehme in Ihren Aussagen Resignation, Schmerz und Groll wahr, und ich frage mich, warum leben Sie das?

    Ich bin mit meinem Partner seit gut 17 Jahren zusammen und seit gut 12 Jahren verheiratet – ich fürchte gerade, in Ihren Augen sind wir ein blutjunges und unerfahrenes Paar. Als reines fortwährendes Glück könnte ich die letzten 17 Jahre unserer Partnerschaft auch nicht bezeichnen – reines Glück, das gibt es nicht, es sei denn, man lernt darunter etwas anderes zu verstehen als „Friede, Freude, Eierkuchen“. Von Beginn unserer Partnerschaft weg, hatten wir etliche Herausforderungen zu bewältigen und haben dies zunächst versucht, indem wir viele dieser Spielchen miteinander spielten, die Julia Onken oben als Beziehungsfallen beschreibt, die zu gegenseitiger Ablehnung und dazu führen, dass sich keiner mehr richtig wahrgenommen und wertgeschätzt fühlt und die den offenen Blick auf mögliche Lösungen so wahnsinnig trüben. Diese Krisen waren es aber auch, die uns dazu drängten, Unterstützung in Anspruch zu nehmen – gemeinsam in Form von psychologischer Beratung und für mich alleine durch die  Auseinandersetzung mit der „Gewaltfreien Kommunikation“ nach M.B. Rosenberg. Dies half uns unter anderem, viele ungünstige Muster zu erkennen, die wir in unserer Partnerschaft gegenseitig nährten sowie die Verantwortung für uns selber zu übernehmen statt sie durch Beschuldigungen und Vorwürfen dem anderen zuzuschieben.

    Ich stimme mit Julia Onken sehr darin überein, dass Verliebtheit noch keine Liebe ist, und ich bin auch der Meinung, dass eine Partnerschaft, wie keine andere Beziehung, Lern- und Entwicklungsprozesse in Gang setzt, die dazu verhelfen, dass aus Verliebtheit, Liebe werden kann. Entwicklungsprozesse nämlich, die, so schmerzlich sie auch sein mögen, mir helfen, näher zu mir selbst zu kommen, immer besser zu erkennen, wer ich selber bin, was ich denke, fühle und brauche und was mir wirklich wichtig ist –  und das dann auch zu tun, dafür einzustehen und es zu leben – mir selber gegenüber wohlwollend. Es geht darum klar und deutlich zu sagen, was ich brauche, was ich will, was mir wichtig ist. Es geht darum, klar und deutlich zu äussern, wo meine Grenzen sind, was mich verletzt, was ich nicht will. Es geht darum, die Verantwortung für mich selber zu übernehmen. Gelingt mir das, kann ich auch meinem Partner wohlwollend, interessiert und wertschätzend begegnen. Dann bin ich offen dafür, was er braucht, was ihm wichtig ist, was ihn verletzt und was er nicht will. Ich kann die Verantwortung für mich nicht  an meinen Partner abtreten. Dann mache ich mich zu seinem Opfer.

    Nicht ganz einig bin ich mit Julia Onken, dass man nach einem mehr oder weniger langen Prozess – und erst dann – die Liebe endlich und dauerhaft als „Destillat“ hat, sondern ich erfahre es  viel mehr so, dass diese Liebe in einem fortwährenden Prozess immer wieder neu erschaffen werden muss – dies gelingt natürlich mal mehr und mal weniger konzentriert.

    Als wirkliches Glück betrachte ich in einer Partnerschaft, wenn die beiden Partner in den grundlegenden Werten mehr oder weniger übereinstimmen und dass bei wichtigen Themen auseinanderdriftende Interessen, Ansichten, Empfindungen wenigstens im gegenseitigen Toleranzbereich liegen – so nach dem Motto: Ich muss nicht alles leben, was mein Partner lebt, aber ich muss damit leben können! Das ist die Basis. Der Rest ist Selbstbewusstsein, Selbstverantwortung und eine immer wieder gelingende konstruktive Kommunikation.

    Es gibt viele verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten und Angebote, um an diesem Selbstbewusstsein zu arbeiten und zu lernen oder den Mut zu entwickeln, selbstverantwortlich zu handeln und zu leben, und es gibt auch verschiedenste Unterstützungsmöglichkeiten, um eine wertschätzende und konstruktive Kommunikation zu erlernen.

    Meine Erfahrung ist, dass in einer Beziehung bereits viel in Gang kommt, selbst wenn sich nur einer der Partner auf den Weg macht– die alten Muster gelingen nicht mehr, wenn auch nur einer da nicht mehr mitspielt!

    Ich wünsche Ihnen Mut und Zuversicht, sich auf neue Wege zu begeben – dazu ist es nie zu spät und Sie sind es sich wert!

     

     

    Karin Zimmermann (im Lehrgang zur Psychologischen Beraterin FSB)

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Michael Lukas Moeller, Die Wahrheit beginnt zu zweit, Rowohlt 

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Julia Onken, Wenn du mich wirklich liebst, C.H.Beck

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