Meine Frau verweigert mir körperliche Nähe

Georgette und Patricia, 26.01.2017

Liebes Kummerkasten- Team

Mein Name ist Peter, ich bin 51 Jahre alt, verheiratet, Vater von 7 Kindern im Alter von 10 bis 25 Jahren. Ich lebe in einer christlichen Gemeinschaft. Ich kann nicht mehr. Seit Jahren verweigert mir meine Frau jegliche körperliche Nähe. Ich friere an ihrer Seite. Ich schäme mich; in meiner Not habe ich sie tätlich angegriffen. So kann es nicht mehr weitergehen. Ihre Ablehnung mir gegenüber hat sie bereits auf die Kinder übertragen. In meinen Augen wäre die Lösung, meine Familie zu verlassen. Dies hätte jedoch zur Folge, dass ich von der christlichen Gemeinschaft ausgestossen würde. Ich stünde dann alleine da.

Was soll ich tun?

Mit dankbaren Grüssen   - Peter

Psychologische Beraterinnen, die eine Ausbildung im Frauenseminar Bodensee absolvieren und die demnächst ihren Diplomabschluss machen antworten:

Antwort

Lieber Peter

Wir danken dir für deine Offenheit. Du hast eine schwierige Situation zu bewältigen. Wenn wir das lesen, können wir uns vorstellen, dass du dich alleine und ausgeschlossen fühlst und dass dies auf Dauer kaum auszuhalten ist. Dir fehlt das Gefühl von Wärme und Geborgenheit in deiner Familie. Dadurch hat sich bei dir ein Druck aufgebaut, welcher sich mit einem Übergriff auf deine Frau entladen hat.

Könntest du dir vorstellen, gemeinsam mit deiner Frau, Rat in eurer christlichen Gemeinschaft oder in einer Eheberatung zu suchen, wo ihr beide eure Situation und eure Bedürfnisse schildern könnt?

Es würde uns sehr interessieren, wie es für dich weitergeht. Wir würden uns freuen, wieder von dir zu hören.

Georgette und Patricia

Psychologische Beraterinnen in Ausbildung

4Kommentare

  • Irene H.M.
    06.02.2017 08:46 Uhr

    Guten Abend Peter

    Was Sie beschreiben ist eine bereits lang dauernde, traurige Tragödie. Sie scheinen sich sehr einsam in Ihrer grossen Familie zu fühlen, Einsamkeit ist sehr schmerzlich.

    Sie schreiben, dass Sie einer christlichen Gemeinschaft angehören und Angst haben auch diesen Ort zu verlieren. Da aus Ihrer Anfrage nicht hervorgeht, ob Ihre Frau und Ihre Kinder ebenfalls zu dieser Gemeinschaft gehören, und Sie auch nicht mitteilen wie sich Ihre Frau die weitere Zukunft vorstellt, würde ich Ihnen entgegen der obenstehenden Empfehlung raten, sich für die nächsten Schritte an eine neutrale Beratung zu wenden, z.B. Familienberatung, Psychologische Beratung, eventuell nach Absprache mit ihrem Hausarzt. Es könnte Ihnen gut tun, mit jemandem ausserhalb ihres vertrauten Kreises die schwierige Situation zu besprechen.

    In diesem Sinn wünsche ich Ihnen Mut die Veränderung anzugehen, mit freundlichen Grüssen
    I.H.-M.

  • Monika H.
    22.03.2017 22:08 Uhr

    Lieber Peter
    Vielen Dank für Ihre offene, transparente Schilderung Ihrer Not.
    Sie beginnen Ihr Schreiben mit Ihrer "persönlichen" Situation; verheiratet, Vater von 7 Kindern... und noch bevor Sie die fehlende (körperliche) Beziehung von Ihrer Frau zu Ihnen darlegen, erwähnen Sie, dass Sie in einer christlichen Gemeinschaft leben.
    Ihre Frau entzieht sich Ihnen. Sie schreiben, dass Sie die Verweigerung von körperlicher Nähe von Ihrer Frau als Ablehnung von Ihnen wahrnehmen und dass sie finden, diese Ablehnung Ihnen gegenüber habe ihre Frau auf eure gemeinsamen Kinder übertragen.
    Und so fühlen Sie sich einsam, in Ihrer Ehe, in ihrer Familie und in Ihrer Gemeinschaft. Ich nehme da eine grosse Isolierung wahr. Und ich würde Sie da gerne fragen: Können Sie sich selber wohlwollend, liebevoll und sich selber verzeihend in den Arm nehmen? Die rechte Hand auf den linken Oberarm und die linke Hand auf den rechten Oberarm und dann unter Ihren Armen Ihr Herz für Sie! schlagen fühlen? Probieren Sie es aus! Am besten irgendwo draussen, wo Sie sich wohlfühlen, in Gottes freier Natur, mit Wind und Sonne und Regen, mit Wärme oder Kühle.
    Ist es möglich, dass sich Ihre Frau in Ihrer christlichen Gemeinschaft nicht wohl und geborgen, aufgehoben, sicher und in ihrer Art wertgeschätzt fühlt und nur (noch) darin lebt, weil sie mit Ihnen und euren gemeinsamen Kindern zusammensein will(!)? Steht für Sie - vielleicht schon ganz lange - der Entscheid an: Entweder Frau und Kinder oder diese Gemeinschaft? Und je länger Sie mit entscheiden zuwarten, je eher verlieren Sie beides? Gibt es etwas, das Ihnen hilft, mit Ihrer Frau über eure je eigenen Lebensvorstellungen und -erwartungen, die ihr noch oder neu habt, zu sprechen?
    Ich wünsche Ihnen, dass Sie sich Ihre "Batterien" wieder aufladen können, dass Sie Ihren Körper und Ihre Gefühle nähren können, mit tiefem und ruhigem Atem, mit kleinen Freuden, die Sie sich selber gönnen. Mit kleinen Zeichen, die Ihnen zeigen, dass Sie auch sich selber gern haben. Gut möglich, dass Sie so den grossen Erwartungsdruck nach körperlicher Nähe, der auf Ihrer Frau lastet, verkleinern können und damit Ihrer Frau "Luft" und Freiraum geben. Und kommt auf dieser Grundlage eine Zuneigung von Ihrer Frau, die sie "einfach so", aus freiem Gefühl Ihnen zuwenden kann, so wird diese auch Sie beglücken.
    Guten Mut!<br />Monika H.

  • Francesco
    10.11.2017 14:14 Uhr

    Hallo Peter
    Nur ein spontaner Gedanke: Vielleicht möchte Ihre Frau keine körperliche Nähe, weil sie nicht mehr als sieben Kinder möchte. Ist Verhütung denn in ihrer christlichen Gemeinschaft erlaubt? Hast du mit ihr über das Thema Sexualität auch schon gesprochen oder es nur praktiziert? Vielleicht kommt sie bei der Sexualität nicht auf Ihre Kosten. Das ist tendenziell so bei der althergebrachten Variante. Ich persönliche empfehle dir das Buch Slow-Sex, ein tantrischer Ansatz. Ich bin der Meinung, dass man Sexualität auch transformieren kann und finde es persönlich sehr wichtig eine Diskussionskultur zu fördern, in welcher man seine Bedürfnisse kommunizieren darf und kann. Ich weiss meine Worte mögen möglicherweise etwas forsch gewesen sein, ich wünsche Dir jedoch nur das Beste und hatte das Gefühl vielleicht etwas als aussenstehender, da ich per Zufall hier draufgeklickt habe, beitragen zu können.. Alles Gute für deinen weiteren Lebensweg. Der Punkt mit sich selberlieben, das auch körperlich kann ich sehr bestätigen. Sei gesegnet!

  • Erna Baumgartner
    20.10.2019 15:36 Uhr

    Lieber Peter
    Du schreibst, Du kannst nicht mehr. Was genau kannst Du nicht mehr? Ist es die Angst vor der Ablehnung? Fühlst Du Dich im Leben dadurch eingeschränkt?
    Diese Angst hindert oft daran, eine Chance zu ergreifen und etwas zu riskieren. Der Preis dieses Vermeidungsverhaltens ist, dass Du Deine Träume und Wünsche opferst.
    Von anderen in der Gemeinschaft gemocht oder geliebt zu werden und keine Ablehnung zu riskieren ist Dir wichtiger als Deine eigenen Wünsche und Ziele zu verfolgen.Könnte das sein??
    Hast du in der Gemeinschaft , mit Deiner Frau versucht , mal über Deine Wünsche, Vorstellungen zu reden? oder ist die Angst, der Andere könnte enttäuscht oder ärgerlich werden, grösser?– und das würdest Du nicht überleben? Und kannst deshalb nicht mehr?
    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn Menschen etwas erreichen wollen, Sehnsüchte verspüren, ist es wichtig, nach der ersten Zurückweisung nicht gleich aufzugeben.
    Um Ablehnung zu vermeiden, gehen viele den Weg des geringsten Widerstands. Aber Sie gehen dabei von Erfahrungen aus, die Sie sich nur vorstellen. Denn bevor Sie nicht gefragt oder etwas getan haben, wissen Sie nicht, ob der Andere Ihre Bitte wirklich abschlägt. Die Folge ist wahrscheinlich: Viele empfinden Ihr Leben mit der Zeit als eng , frustrierend, routinemäßig und fremdbestimmt. Aber in Wahrheit engen Sie sich selbst ein und sind dann von sich selbst enttäuscht.
    Wie ist das, wenn Du mit Deiner Frau über Deine Gefühle, Deine Sexualität redest? Ihr sagst, was für Ängste ihre Ablehnung bei Dir auslösen?
    Es ist an der Zeit, diese Angst vor Ablehnung zu überwinden. Denn sie ist irreal. Das heisst, vielleicht wurdest Du schon ein paar Mal abgelehnt und das war real und schmerzlich für Dich.
    Doch kann es sein, dass Du diese Erfahrung auf viele neue Situation projizierst? Und das ist irreal!
    Ist der Preis für diese Gewohnheit nicht sehr hoch? Denn Du packst ggf.lang gehegte Wünsche nicht an…..
    Ich wünsche Dir alles Gute und Mut hin zu schauen, woher die Ängste der Ablehnung bei Dir kommen.
    Herzliche Grüsse
    Anre

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